Nachdem die Trump-Regierung in einem Signal-Chat brisante Inhalte über Luftfangriffe im Jemen bespricht: So wird der Skandal von der internationalen Presse kommentiert.Mutmaßlich unauffällig und unbeabsichtigt landet ein Journalist in einem Signal-Chat der Trump-Regierung und verfolgt live mit, wie US-Militärangriffe geplant werden. Diese Panne löste eine breite Debatte über die Sicherheitsvorkehrungen der US-Regierung aus. Der Fall sorgt für internationale Empörung – das sagen die internationalen Medien.So kommentiert die internationale Presse den Skandal zum Signal-Chat “Wall Street Journal” (USA): “Die Sicherheitspanne wird in Vergessenheit geraten, doch das Gleiche gilt nicht für die Ansichten von Trump-Beamten über unsere Verbündeten in Europa, die der Chat aufgezeigt hat. (…)Die Lehre, die die Europäer – und viele Freunde anderswo – aus dieser Episode ziehen werden, ist, dass Beamte an der Spitze der Trump-Regierung der Ansicht sind, dass die US-Beziehungen nicht auf gemeinsamen Interessen oder Werten beruhen. Es ähnelt eher einer Schutzgelderpressung. Dies ist ein weiterer Grund, warum viele Verbündete Amerikas zu dem Schluss kommen könnten, dass sie den USA in einer Krise nicht mehr vertrauen können.””Guardian” (Großbritannien): “Es ist atemberaubend, dass ranghohe Vertreter der Trump-Regierung versehentlich Kriegspläne an einen Journalisten durchsickern ließen. Doch das Grundproblem ist, dass 18 hochrangige Personen bereitwillig extrem sensibles Material in einer privaten Kurznachrichten-App besprachen – ein Beleg für den außergewöhnlichen Dilettantismus, Leichtsinn und Mangel an Verantwortlichkeit dieser Regierung. (…)Solche Gespräche würden normalerweise unter strengen Sicherheitsvorkehrungen stattfinden. Zwar ist Signal verschlüsselt, doch Geräte könnten kompromittiert werden. Ausländische Geheimdienste dürften hocherfreut sein. (…) In vielerlei Hinsicht unterstreicht diese Panne, was den Verbündeten der USA bereits bewusst war – unter anderem die Verachtung dieser Regierung gegenüber Europa, das der Unterhaltung zufolge offenbar für die US-Angriffe zahlen soll. (…)Großbritannien und andere können das nicht einfach ignorieren, wenn sie so stark von den nachrichtendienstlichen Fähigkeiten der USA abhängig und mit ihnen verflochten sind. Ihre Aufgabe besteht nun darin, Risiken abzuwägen und sich auf Schlimmeres vorzubereiten. (…)” “The Age” (Australien): “Welches der unglaublichste Teil des sogenannten Signalgate-Skandals ist, der Details über US-Militärangriffe auf Huthi-Ziele im Jemen im Voraus enthüllte, ist eine schwierige Frage. War es, dass ein bekannter Chefredakteur – offenbar versehentlich – zu einem so hochrangigen privaten Gespräch hinzugefügt wurde (…)? War es, dass eine solche Diskussion überhaupt auf einer kommerziellen Messaging-Plattform stattfand? Oder war es die Art und Weise, wie das Weiße Haus und seine Verbündeten, nachdem ihre Nachlässigkeit entlarvt wurde, den Journalisten angriffen, anstatt einen Fehler zuzugeben? (…)Die Verteidigung der Regierung lautet im Grunde: “Ist doch nichts passiert.” Die Angriffe im Jemen waren erfolgreich, nichts Wichtiges sickerte im Vorfeld durch, daher gab es hier auch nichts zu sehen. US-Verbündete könnten das etwas anders sehen. Sie könnten sich fragen, ob man den USA im Umgang mit Geheimdienstinformationen noch vertrauen kann, wenn hochrangige Beamte so nachlässig sind, dass sie nicht bemerken, dass ein beliebiger Journalist zu ihrem Gruppenchat hinzugefügt wurde.” “Neue Zürcher Zeitung” (Schweiz): “Für die Demokraten ist die Chat-Blamage natürlich ein gefundenes Fressen. Aber nicht nur sie fragen sich: Wie seriös ist diese Regierung? In der Kritik stehen insbesondere der Sicherheitsberater Michael Waltz und der Verteidigungsminister Pete Hegseth. Möglicherweise haben sie mit dem fahrlässigen Umgang mit Geheiminformationen das Spionage-Gesetz gebrochen. Im mindesten haben sie sich lächerlich gemacht – und auch den amerikanischen Präsidenten. (…)Bleibt zu hoffen, dass die Regierung aus dem Fehler lernen kann – dass die Chat-Affäre sie langfristig schädigt, ist wenig wahrscheinlich. Sie passt zum Image einer Regierung, die sich um Regeln und Rücksicht foutiert.””Hospodarske noviny” (Tschechien): “Ganz gleich, ob es ein gezieltes Informationsleck war, wie manche Experten meinen, oder nicht, ist nun eines klar: Europa muss sich von der Illusion lösen, dass wir bald zu einer liberalen Weltordnung zurückkehren werden, die auf der Einhaltung von Regeln basiert und von den USA gestützt wird. Denn die Debatte in der Chatgruppe zeigt deutlich, wie diese US-Regierung denkt. Dort hieß es, Europa sollte für die Angriffe auf den Jemen bezahlen, weil es primär um den Schutz eines Handelsweges zwischen Asien und Europa gehe. Das zeigt, dass Washington die Europäer jederzeit herumschubsen kann. Europa muss endlich aufwachen und sowohl eine starke Armee als auch eine widerstandsfähige Wirtschaft aufbauen. (…)Wir könnten uns über die Unfähigkeit und den Dilettantismus dieser US-Regierung lustig machen. Es wäre jedoch ein Fehler, die Ernsthaftigkeit der Trump-Jünger zu unterschätzen. (…) Wir müssen ihren Willen, die USA nach dem Motto “Make America Great Again” umzugestalten, und ihren aufrichtigen Hass auf Europa als ernste Gefahren wahrnehmen – genauso wie die russische Bedrohung für die Ordnung in Europa.” “La Stampa” (Italien): “Für Europa und für Italien gibt es zwei Lehren. Erstens: Wir haben es uns selbst zuzuschreiben. Vance hat nicht unrecht, wenn er sagt: ‘Warum müssen wir uns um den Transit über den Suez-Kanal kümmern, wo 3 % unseres Verkehrs und 40 % des europäischen Verkehrs abgewickelt werden?’ Die Antwort ist einfach: Weil wir Europäer nicht die Fähigkeiten haben, in diesem Fall mehr Militärpolitik (…), um es allein zu schaffen. Wir bleiben also von den Amerikanern abhängig.Die, zweite Lektion: Man sieht uns nicht mehr als Verbündete, sondern als ‘Trittbrettfahrer’, was ‘abscheulich und erbärmlich’ sei, wie Verteidigungsminister Pete Hegseth sagt. Vor einem Monat wurde ihm in der Nato der rote Teppich ausgerollt. Jetzt wissen wir, was er von uns denkt. Es ist das, was die gesamte Regierung von uns denkt und auch ihr Präsident, mit dem wir über Brücken fantasieren, die es nie geben wird.”
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Publish date : 2025-03-26 11:25:00
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