Überblick
Israel und die USA haben einen gemeinsamen Angriff auf den Iran gestartet. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf Israel und US-Militärstützpunkte in verschiedenen Staaten der Region.
Ajatollah Ali Chamenei, der mehr als drei Jahrzehnte Anführer des Iran war, wurde bei den Angriffen getötet.Neben eigenen Recherchen verwenden wir Material der Nachrichtenagenturen AFP, AP, dpa, epd, KNA und Reuters.Mehr lesen Sie auf unserer Themenseite zum Iran.
Wichtige Beiträge
Maersk stellt Verbindungen von Europa nach Asien vorerst einDer dänische Reedereikonzern Maersk hat angekündigt, weitere Strecken um die Golfregion vorerst nicht mehr zu bedienen. Betroffen sind die Route FM1, die den Fernen Osten mit dem Nahen Osten verbindet, und die Route ME11, die den Nahen Osten mit Europa verbindet. Bislang hatte der Konzern, wie andere Reedereien auch, Verbindungen mit Häfen im Persischen Golf ausgesetzt, weil dafür die vom Iran kontrollierte Straße von Hormus passiert werden muss.
Der internationale Schifffahrtsektor hatte neben dem Persischen Golf und der Straße von Hormus gestern auch den vorgelagerten Golf von Oman offiziell zum Kriegsgebiet erklärt. Dies erweitert die Rechte der betroffenen Seeleute. Unter anderem können sie eine Rückführung auf Kosten des Reeders beantragen.
Nach Angaben der Internationalen Schifffahrtsorganisation (IMO) sitzen rund 20.000 Seeleute infolge des Irankrieges im Persischen Golf fest. Seit Kriegsbeginn am Samstag hat die UN-Organisation sieben Vorfälle gezählt, in die Schiffe in der Straße von Hormus verwickelt gewesen seien. Dabei seien zwei Menschen gestorben und sechs verletzt worden.
Chef der Energieagentur sieht keine Ölkrise wegen IrankriegDer Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, hat die Sperrung der Straße von Hormus durch den Iran als “ernstes Problem” bezeichnet. Durch die “logistische Störung” ergäben sich “Herausforderungen für viele Länder”, sagte Birol in Brüssel. Mangel an Öl besteht nach seinen Worten aber nicht: Es gebe “reichlich Öl auf dem Markt”, sagte er. Er sprach von einem “enormen Überschuss”.
Die IEA verfügt über strategische Ölreserven und kann damit in den Ölmarkt eingreifen. Aktuell gebe es keine Pläne für ein gemeinsames Handeln, sagte Birol.
UNHCR stuft Konflikt im Nahen Osten als “schwere humanitäre Notlage” ein
Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) stuft die aktuelle Lage im Nahen Osten als humanitären Notfall ein. “Das UNHCR hat die eskalierende Krise im Nahen Osten zu einer schweren humanitären Notlage erklärt, die eine sofortige Reaktion in der gesamten Region und bis nach Südostasien erfordert”, sagte UNHCR-Direktor Ayaki Ito auf einer Pressekonferenz in Genf.
Laut Schätzungen des Hilfswerks flohen bereits in den ersten Tagen des Irankriegs rund 100.000 Menschen aus der iranischen Hauptstadt Teheran. Im Libanon hätten bislang rund 96.000 Menschen in mehr als 440 Notunterkünften Zuflucht gefunden. Mehr als 33.000 Geflüchtete aus Syrien seien zudem aus dem Libanon in ihr Heimatland zurückgekehrt, um vor den Kämpfen im Libanon zu fliehen. Ito zufolge sind diese Zahlen aller Voraussicht nach zu niedrig angesetzt.
Vor diesem Hintergrund bat der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam die internationale Gemeinschaft um Hilfe. “Es droht eine humanitäre Katastrophe”, sagte er mit Blick auf die Fluchtbewegung. Die internationale Gemeinschaft solle helfen, die Angriffe Israels zu stoppen, und darauf drängen, dass die Infrastruktur des Landes verschont bleibt. Zudem kritisierte Salam die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz. Der Libanon und das libanesische Volk hätten sich diesen Krieg nicht ausgesucht, sagte der Ministerpräsident.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt angesichts des Konflikts vor Krankheiten im Libanon. “Die Zahl der Vertriebenen und der Mangel an ausreichend Wasser und sanitären Einrichtungen bereiten uns große Sorge”, sagte die WHO-Regionaldirektorin Hanan Balkhy.
Lufthansa bricht Evakuierungsflug mit Ziel Saudi-Arabien abDie Lufthansa hat einen geplanten Evakuierungsflug aus der saudi-arabischen Hauptstadt Riad kurzfristig abgesagt. Der Kapitän habe in Rücksprache mit der Zentrale entschieden, nach Kairo abzudrehen, sagte Lufthansa-Chef Carsten Spohr in Frankfurt. “Sicherheit geht vor”, fügte Spohr hinzu.
Das Flugzeug werde nicht nach Riad weiterfliegen, sagte der Lufthansa-Chef. Derartige Situationen werde man in den kommenden Wochen noch häufiger sehen. Saudi-Arabien hatte zuvor mehrere Drohnen- und Raketenangriffe aus dem Iran gemeldet.Mehr dazu lesen Sie hier:
Katar vereitelt Angriff auf US-RegionalkommandoDas Golfemirat Katar hat am Morgen eigenen Angaben zufolge einen Drohnenangriff auf den Luftwaffenstützpunkt Al-Udeid abgefangen. Dort sind wesentliche Teile des US-Regionalkommandos für den Nahen Osten (Centcom) untergebracht.
Zuvor hatten die Streitkräfte Saudi-Arabiens bereits mehrere Angriffe mit ballistischen Raketen und Drohnen auf den Luftwaffenstützpunkt Prinz Sultan vereitelt. Auch dort sind US-Truppen stationiert.
Forscher beziffern Kosten von US-Angriff auf mehrere Milliarden Dollar Der US-Militäreinsatz gegen den Iran hat unterschiedlichen Schätzungen zufolge allein in den ersten 100 Stunden bereits mehrere Milliarden US-Dollar gekostet. Das Institut Center for Strategic and International Studies (CSIS) mit Sitz in Washington, D. C. geht von 3,7 Milliarden Dollar (knapp 3,2 Milliarden Euro) in den ersten vier Tagen aus. Es stützt sich dabei eigenen Angaben zufolge auf die wenigen Details, die das US-Verteidigungsministerium bisher offengelegt hat.
Das Wall Street Journal geht sogar von Kosten in Höhe von elf Milliarden Dollar in den ersten vier Tagen aus. Die Zeitung beruft sich dabei auf Elaine McCusker, die in der ersten Amtszeit von Präsident Donald Trump im Pentagon für den Verteidigungsetat zuständig war. Diese Kosten umfassen dem Zeitungsbericht zufolge auch die Stationierung von mehr als zwölf Schiffen und 100 Flugzeugen im Nahen Osten seit Dezember.
Zweiter Evakuierungsflug für Deutsche in Frankfurt gelandetDer zweite von der Bundesregierung organisierte Evakuierungsflug für in der Golfregion festsitzende Deutsche ist in Frankfurt am Main eingetroffen. Das Flugzeug kam aus Maskat im Oman und war in der Nacht im ägyptischen Hurghada zwischengelandet. Eigentlich war der Flug bereits am Donnerstagabend in Deutschland erwartet worden. Der Abflug hatte sich jedoch erheblich verzögert.
Zahlreiche Flughäfen der Golfregion sind wegen iranischen Beschusses geschlossen oder im Betrieb stark eingeschränkt, Maskat jedoch nicht. Reisende aus anderen Golfstaaten wurden vielfach auf dem Landweg dorthin gebracht. Geplant sind noch mindestens zwei weitere von der Bundesregierung organisierte Evakuierungsflüge; ein weiterer aus Maskat sowie einer aus Saudi-Arabien.
Aserbaidschan holt Personal aus iranischen Auslandsvertretungen zurück Das aserbaidschanische Außenministerium zieht sein diplomatisches Personal von seiner Botschaft und seinem Generalkonsulat im Iran ab. Das gab Außenminister Ceyhun Bayramov bei einer Pressekonferenz bekannt. Die Rückholaktion würde bereits umgesetzt und geschehe zum Schutz der Angestellten. Bayramov verwies auf einen Vorfall an der aserbaidschanisch-iranischen Grenze, bei dem gestern vier Menschen von iranischen Drohnen verletzt worden waren.
Die aserbaidschanische Botschaft befindet sich in der iranischen Hauptstadt Teheran, das Generalkonsulat im nordwestiranischen Täbris. Dort leben viele Menschen mit aserbaidschanischem Hintergrund.
USA bombardieren unterirdische Raketenstellungen im Iran
Die USA haben nach eigenen Angaben unterirdische Raketenabschussrampen im Iran attackiert. Tarnkappenbomber vom Typ B-2 hätten am Morgen zahlreiche bunkerbrechende Bomben auf tief vergrabene Abschussrampen für ballistische Raketen abgeworfen, sagte der Kommandeur des US-Regionalkommandos im Nahen Osten (Centcom), Brad Cooper. Ihm zufolge wurde dabei auch “das iranische Äquivalent des US-Weltraumkommandos” getroffen.
Drei Australier bei Angriff auf iranisches Schiff an Bord von US-U-BootDer australische Premierminister Anthony Albanese hat bestätigt, dass sich drei Australier an Bord des US-amerikanischen U-Boots befanden, das am Dienstagabend ein iranisches Kriegsschiff vor Sri Lanka versenkt hat. Allerdings sei kein australisches Personal “an irgendeiner offensiven Aktion gegen den Iran beteiligt”, sagte Albanese dem Sender Sky News.
Entsprechende Medienberichte dazu hatte es bereits gestern gegeben. Demnach sollen die Australier als Teil des sogenannten Aukus-Trainingsprogramms der USA, Australiens und Großbritanniens an Bord des U-Boots gewesen sein.
Die australischen Grünen kritisierten, die Anwesenheit der drei Australier bei dem Angriff verwickele das Land in den Krieg im Nahen Osten. David Shoebridge von den Grünen sagte, es mache Australien “offensichtlich, eindeutig und unmissverständlich zu einem Teil eines illegalen Krieges”. Die Stimmen der Grünen sind für die australische Labour-Regierung wichtig, da sie keine eigene Mehrheit hat.
Dubai warnt Einwohner vor möglicher Bedrohung durch Raketen
Das Innenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate hat die Einwohner von Dubai vor einer möglichen Gefahr durch Raketen gewarnt. Aufgrund der aktuellen Lage und “potenzieller Raketenbedrohungen” seien die Einwohner angehalten, umgehend Schutz in dem nächstgelegenen sicheren Gebäude zu suchen und sich von Fenstern und Türen fernzuhalten. Die Vereinigten Arabischen Emirate und andere Golfstaaten wurden in den vergangenen Tagen wiederholt Ziel iranischer Drohnen- und Raketenangriffe.
UN besorgt wegen israelischer Evakuierungsaufforderungen
Volker Türk, Menschenrechtskommissar der Vereinten Nationen, hat sich kritisch über die umfassenden israelischen Evakuierungsaufforderungen für den Südlibanon und die südlichen Vororte von Beirut geäußert. Die pauschalen Anordnungen des israelischen Militärs zur Umsiedlung würden Hunderttausende Menschen betreffen, sagt Türk. Dies werfe ernste Fragen im Hinblick auf das humanitäre Völkerrecht auf, insbesondere wenn es um Zwangsumsiedlungen gehe.
„”Der Libanon entwickelt sich zu einem wichtigen Krisenherd. Ich bin äußerst besorgt über die jüngsten Entwicklungen.”“
UN-Menschenrechtskommissar Volker TürkInternet im Iran bleibt gesperrtDie Bevölkerung im Iran bleibt weitgehend vom Internetzugang abgeschnitten. Die auf Internetsperren spezialisierte Organisation Netblocks gab die Konnektivität heute Morgen mit nur einem Prozent an. Daten des IT-Unternehmens Cloudflare zeigten ebenfalls einen vollständigen Einbruch des Internetverkehrs.
Ein kleiner Teil des Militär- und Machtapparats im Iran nutzt das Internet unterdessen weiter ohne Einschränkungen. Seit Jahren verfügt ein privilegierter Kreis über sogenannte weiße SIM-Karten, die es ermöglichen, ohne Sperren und Restriktionen online zu gehen. Auch iranische Medien publizieren ihre Nachrichten auf Telegram und X, die eigentlich gesperrt sind.
Das Internet im Iran unterliegt auch in Friedenszeiten strenger Zensur. Viele Webseiten und auch Apps sind gesperrt. Um soziale Medien und Netzwerke zu nutzen, gehören sogenannte Tunneldienste für einen Großteil der Nutzer zum Alltag. Die Verbindungen sind dann jedoch oft langsam und unzuverlässig.
Erneute israelische Angriffe in Vorort von Beirut
Das israelische Militär hat nach eigenen Angaben mit neuen Angriffen auf den Vorort Dahieh der libanesischen Hauptstadt Beirut begonnen. Ziel sei die Infrastruktur der Hisbollah in dem Bezirk im Süden der Stadt.
140 Verletzte in Israel binnen 24 StundenDie Zahl der Verletzten in Israel seit Beginn des Irankriegs ist laut Gesundheitsministerium bis zum Morgen auf über 1.600 gestiegen. In den vergangenen 24 Stunden sind nach Raketenbeschuss demnach 140 Menschen in Kliniken eingeliefert worden, darunter eine schwer verletzte Person. Unter den Verletzten befinden sich Berichten zufolge auch zahlreiche Menschen, die nicht direkt durch Raketenangriffe zu Schaden kamen, sondern sich auf dem Weg in Schutzräume verletzten.
Seit Beginn des Kriegs wurden in Israel elf Menschen getötet.
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